Werner Arndt - Einzelausstellung 1969
Kunstschau Böttcherstrasse, Bremen
1. März bis 13. April 1969


Lebenslauf Über seine Kunst Figurale Objekte Bilder Druckgrafik Handzeichnungen Aquarelle Ausstellungen Werkverzeichnis Home


zurück zur Übersicht

Es liegen keine weiteren Infos zur Ausstellung vor bis auf zwei Zeitungskritiken, siehe unten!



Kritik zur Ausstellung
Veröffentlichung in einer Bremer Tageszeitung, Name und Datum unbekannt



Zwei Norddeutsche, ein Münchner       Zu Ausstellungen in der Böttcherstraße und in der "Kleinen Galerie"

Zum Wochenende stellen in der Hansestadt drei Maler aus, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt ihre Bildmotive gewinnen, die diese Umwelt aber frei verwandeln. Als den Eigenwilligsten von ihnen muß man Werner Arndt ansprechen, der im großen Saal des Paula-Becker-Modersohn-Hauses Arbeiten der Jahre 1949 bis 1968 zeigt. Sie lassen erkennen, daß der Künstler mit seiner Maltechnik im Expressionismus wurzelt. 1918 in Stralsund geboren, hat er ab 1939 als Schüler von Willy Jaeckel die Hochschule für Kunsterziehung und Akademie in Berlin besucht, bis er zwei Jahre vor Kriegsende Soldat werden mußte. Heute lebt er in Frankfurt am Main. Vehemenz, das zeigen die ölbilder, gehört zu seiner Landschafts- und Figurenkunst, gelegentlich bis ins Extrem gesteigert. Vermutlich fühlte aber der Künstler die Gefahren solcher übersteigerung, denn er wandte sich Anfang der sechziger Jahre einer völlig anderen Schaffensweise zu. Arndt verzichtet seither auf Natur in abbildlicher Form. Seine jüngeren, nur aus Materialien gebildeten, reliefhaft angelegten Kompositionen verwirklichen Vorstellungen von Natur und Meer, indem der Künstler Rohstoffe und Fertigteile nach Art einer Collage grobschlächtig miteinander verbindet. Bilder, aus Holzbalken, Tauen, geflochtenen Korbresten, dunklen Glaskugeln. Netzen und Muscheln collagiert, versinnbildlichen vornehmlich Maritimes. Man begegnet einem riesigen Muschelfenster. Jüngste Kompositionen hat Arndt wiederkehrend "Feuerbild" benannt. Gewonnen sind die schwarzkrustigen Gebilde aus verbranntem Epoxydharz. Ihre Farbstimmung gewinnen die schweren Latten- und Äste-montierungen vornehmlich durch farbhelle Hintergründe oder durch Einschlüsse aufleuchtender Glaspartikel. Zweifellos sind die großformatigen Bilder nicht frei von Brutalität, doch je sicherer sie durchgeformt sind, desto stärker versinnbildlichen sie Naturhaft-Elementares, eben das, was Arndt in seiner Bildwelt darstellen wollte.
Der in Gauting lebende Hans Schellenberger - er stellt ebenfalls in der Böttcherstraße aus - ist 1905 in München geboren. Er darf geradezu als Arndts Gegenspieler gelten. Er begann mit einer Lehrzeit als Dekorationsmaler und Vergolder, bevor er 1926 an die Akademie der Bildenden Künste seiner Vaterstadt ging. Vor dem Kriege vornehmlich Wandmaler, - der in Fresko und Sgraffito gearbeitet hat, der aber auch Glasbilder und Wandteppiche schuf, hat er sich nach 1945 vornehmlich mit ölmalerei beschäftigt. Seine in der Farbe häufig tonig angelegten Bilder, unter ihnen eine Anzahl feingestimmter Stilleben, beziehen bei einer zeitnahen Verformung mildernde ästhetische Momente mit ein. Der Trend zum Schönen stört gelegentlich; vornehmlich auf die Figurenszenen wirkt er abträglich, Blumen, ein Schierlingsanger, außerdem Waldrand und Gartenmotive in lebendiger Stiftzeichnung - sie alle hinterlassen freundliche Eindrücke. Einzelne Bilder enthalten Strukturhöhungen aus Polyester, die mit öI übermalt sind. Die Gepflegtheit der Bildsprache hat einen manieristischen Beiklang. Ausgerundete Lösungen fehlen jedoch nicht.
Der Jüngste unter den drei Malern ist der 1926 in Ahrensburg bei Hamburg geborene Walter Grewe. Er stellt bis zum 27. März in der Kleinen Galerie der Zentralen Bücherei, Schlüsselkorb, aus. Grewe hat bereits 1964 ölbilder und Zeichnungen im "Kleinen Olymp" gezeigt; er ist inzwischen zum Wahlbremer geworden. Seiner Begegnung mit der Bildwelt von Albert Fasen, Hamburg, verdankt er nach eigenen Worten die entscheidenden Anregungen. Was in seinen Grafiken (Tuschzeichnungen und Blättern in Schabetechnik) besticht, ist die Einfachheit und Klarheit der Niederschrift. die aber durchaus zu eindrucksvollen Wirkungen kommt. Fabrikgelände, Hinterhöfe, Mietskasernen, eine Vorstadtstraße gehören zu den Lieblingsmotiven Grewes. Mit dickflüssigem Linienduktus hält er solche Umweltserlebnisse fest. Wenn er in strenges Schwarz-Weiß eine Farbe einfügt oder in den farbigen Schabetechnikblättern Stillebenklänge von atmosphärischer Dichte anreißt, kann er überzeugen. Auch seine Köpfe und Figurenbilder, unter ihnen die eindrucksvolle Studie Frau im Regen", sind manchmal voll lebendiger Kraft. Grewe, der innerhalb der Schabetechnik neue Möglichkeiten sucht, verzichtet auf alles modisch Laute. Seine Arbeiten machen trotzdem auf ihn aufmerksam.       K. Albrecht


Zeitungs-Kritik des Weser-Kuriers zur Ausstellung vom 01.03.1969


Von der Abbildung zur Abstraktion

Die Böttcherstraße zeigt Werke von Hans Schellinger und Werner Arndt

Zwei auftrumpfende Künstlertemperamente vereint die Kunstschau der Bremer Böttcherstraße bis zum 13. April in einer Ausstellung von Ölbildern, Collagen und Grafiken der Maler Hans Schellinger und Werner Arndt. Beide warten mit stimmungsvollen Werken auf, deren Grundlagen freilich sehr unterschiedlicher Art sind.
Der 1905 in München geborene Hans Schellinger präsentiert eine Reihe farbenfroher Stilleben und Landschaften, durchaus herkömmliche Sujets also, deren Farbigkeit sich bis zur Buntheit steigern kann, wenn dem Schüler von Heck, Gruber und Dietz die Mittel außer Kontrolle geraten. In solchen Fällen ergeben sich hektische Farborgien, entstanden aus dem unmittelbaren Nebeneinander gegensätzlicher Töne, gesteigert durch die Auflösung großer Formen in eine Vielzahl von Partikeln.

In diese Turbulenz versucht Schellinger wieder Ruhe hineinzubringen indem er ein Blumen- oder Fensterstilleben zu menschlichen Figuren in Beziehung setzt. Nicht Porträtähnlichkeit ist beabsichtigt, vielmehr sucht der Künstler bereits im Bilde einen Empfänger für die Stimmungswerte seiner Blumenarrangements. Das Ergebnis dieses Kompositionsverfahrens ist ein gelinder Mystizismus. Solche Überforderung der Themen rührt letztlich aus dem Bestreben her, den Anschluß an die Moderne nicht zu verpassen, nur resultiert aus der Wahl falscher Mittel schließlich bestenfalls Gefälligkeit. Merkwürdigerweise unterhält Schellinger ein weit glücklicheres Verhältnis zur Landschaft, wo er auf den Effekt aufgerauter Bildgründe ebenso verzichtet wie auf übersteigerte Farbgebung und mit ruhig geführten Pinsel weite Flächen ausfüllt. Mag da auch der "Blaue Reiter" nachwirken so halten sich die Ergebnisse solcher Anlehnung doch immerhin auf dem entsprechenden Niveau.

Den Weg von der Abbildung zur Abstraktion beschritt Werner Arndt. Aus den fünfziger Jahren begegnen uns in der Böttcherstraße von dem 1918 in Stralsund geborenen und heute in Frankfurt am Main lebenden Maler noch eine Reihe Bilder mit religiöser Thematik und Landschaften mit immer stärker betonten schwarzen Partien. Sie drängen sich schließlich immer mehr in den Vordergrund, bis der Übergang zur Materialkomposition vollzogen war. Ihre Monumentalität, wenn nicht Brutalität, resultiert aus verkohlten Balken, geschmolzenen Kunststofflächen, angesengtem Kork und schwarzen Tauen. Für eine Auflockerung innerhalb dieses Ensembles sorgen farbige Gläser und Bojen. Geflechtwerk und Netze sowie muschelförmige Gebilde. Sie geben deutliche Hinweise auf die Herkunft dieser Collagen mit ihren starken Reliefwirkungen von maritimen Themen, die auch in den Titeln bestätigt werden. "Feuerbilder" bilden eine andere Werkgruppe. Aber wie Arndt es bei der Anordnung seiner von Schwemmgut angeregten Arbeiten bei vordergründigen Wirkungen beläßt. macht er von der bildenden Kraft des Feuers zu unkontrolliert Gebrauch. Für beide Möglichkeiten künstlerischen Schaffens kennt man aus jüngster Zeit bessere Beispiele. Breuste, Schreiter und Piene, um nur deutsche Namen zu nennen, haben hier bereits Maßstäbe gesetzt.       d. w.


Zurück zum Seitenanfang